Allgemein, Gesundheitswesen, Qualitätswesen, Wirtschaft

Das System ist unheilbar krank.

Unter diesem Titel, und Ähnlichen, wird oft über die Kostensteigerung im Gesundheitswesen lamentiert. Der Titel könnte genau so gut zu einer umfassenden Analyse passen die grundlegende Fragen aufwirft. zB:

  • GESUNDHEITSWESEN – Sind die Probleme vor allem “hausgemacht”?
  • Hat eine Krankheit das Gesundheitswesen befallen, die auch in anderen Branchen grassiert?
  • Wie misst man eigentlich den Erfolg einer Institution im Gesundheitswesen?
  • Welche Lamentos sind (finanz-)strategischer Natur?
  • Welche Forderungen wollen etwas für die Gesundheit erreichen?
  • Welche scheinbaren Einsparungen laufen Gefahr mehr Krankheit und Kosten zu generieren?
  • Ein Weg vom Lamentieren weg,  hin zu konstruktiven Verbesserungen, muss oft aus dem üblichen Denkschema auf Aussen- und Innensichten wechseln die das Bild der Situation erst klären können. Oder wie oft sehr kurz konstatiert wird: Probleme lassen sich nur sehr selten mit den Denkweisen lösen die sie (mit)verursacht haben.

Deshalb bin ich als ehemaliger Mitarbeitender und heutiger Patient mit recht viel Erfahrung zu folgenden Schlüssen gekommen:

Das (Denk-)System ist tatsächlich unheilbar krank! Aber es ist nicht nur das im Gesundheitssystem:

Es ist das gesamte wirtschaftliche und politische System das sehr krank ist:

Solange wir bei diesem System bleiben, hat weder ein vernünftiges Gesundheitswesen, noch eine vernünftige Wirtschaft, noch eine vernünftige Gesellschaft, noch eine vernünftige Demokratie eine reelle Chance. ‚I have a Dream‘   

Ein besonders einleuchtendes Beispiel: Das Gesundheitswesen im Kanton Zürich ist an Kapitalismus erkrankt. Eine Krankheit von der man noch streitet ob sie geistiger Natur ist oder ob sie je heilbar sein wird. Wir wissen aber schon ziemlich viel darüber. Die wichtigsten Beispiele: Es ist eine extrem teure und zerstörerische Krankheit, die den wirklich freien Markt, von und für freie Menschen, gründlich zerstört, Kriege ermöglicht und finanziert, und auch immer wieder welche auslöst. Zu den Symptomen der Krankheit Kapitalismus gehört auch die Menschenverachtung und die Rendite für die Superreichen und Supermächtigen. Deshalb tut es selbst in reichen Ländern weh wenn das Gesundheitswesen an Kapitalismus erkrankt. Es zählt nämlich dann nicht der Mensch und seine Gesundheit, sondern der Gewinn der Mächtigen. Das ist das Wesen des Kapitalismus.  Schwarze Löcher in der Qualität des Zürcher Gesundheitswesens

Zeit für eine gute Nachricht:

Kapitalismus ist kein Wirtschaftssystem. Ganz deutlich wird es beim Neoliberalismus: Sie ist die Ideologie des Elitismus, der Ausbeutung, der Machtanbetung, des Konkurrenzkampfs bis zum bitteren Ende. Wie berühmte Exponenten dieser Denkrichtung immer wieder gesagt haben, sind Demokratie, Pressefreiheit und Rechtsstaat letztlich dazu da die Massen zu kontrollieren, was auf manipulieren hinausläuft ! Normalerweise wird heute die Spitze der sog. Demokratie ohnehin von dieser rücksichtslosen Machtelite direkt kontrolliert. Am sattesten ist diese Kontrolle in der mächtigsten aller Branchen, der Finanzbranche.

Die Tatsache, dass es sich um eine Ideologie handelt, ist das Tröstliche an unserer Situation. Das heisst auch, dass es neben dieser Art zu denken und eine Wirtschaft zu organisieren auch andere Möglichkeiten gibt. Die kapitalistische Ideologie kann schnell schwächer werden wenn wir erkennen, dass sie eine brandgefährliche Ideologie geworden ist und dass sie dem freien Markt im Weg steht. So sehr wie nichts Anderes. Dass er diesen fördert, ist eine vollends unhaltbare Behauptung geworden. Das war in den Anfängen des Kapitalismus örtlich anders. Aber heute ist sehr viel anders geworden: Ein globaler Überblick ist nicht mehr das Privileg, das man früher nur ein paar Wenigen gewähren konnte. Die Errungenschaften des Rechtsstaates und der Demokratie, so wie sie sein sollten, sind immer besser bekannt. Unternehmerisches Handeln ist Vielen nicht mehr fremd. Nicht nur die technologischen, auch die kommunikativen und sprachlichen Fähigkeiten sind gewachsen. Immer mehr Menschen wollen unabhängig(er) werden von der perfiden Ideologie Kapitalismus und wollen Gemeinwohl­förderlich arbeiten. Initiativen, Vereine und professionelle Organisationen unterstützen das bereits heute. Die folgende Liste ist eine Momentaufnahme. Sie kann ändern:

  • Genossenschaften – die stabilisierende Kraft der Schweizer Wirtschaft
  • Sozialunternehmen – gab es schon immer, aber sie können sogar von modernen Vertreter’innen der freien Marktwirtschaft als vollwertig anerkannt werden seit Mohammad Yunus sie so einleuchtend beschrieben hat.
  • B Corps – eine aufstrebende Organisation für die Zertifizierung von Unternehmen die Gemeinwohl­orientierte Absichten haben.
  • Gemeinwohl – Ökonomie Die Bewegung die ein fortgeschrittenes, umfassendes Zertifizierungssystem für Organisationen und Betriebe die ihre Gemeinwohl­wirksamkeit gezielt optimieren wollen.
  • Demokratische Ökonomik – Die neue Initiative für die Ökonomik der Zukunft.
  • Service Public, aber nur wenn vor dem Kapitalismus geschützt. Deshalb täten die Betriebe des Service Public gut daran eine Gemeinwohl-Bilanz (oder eine Gleichwertige) zu erstellen.
  • Gewerkschaften: Sie hatten vielerorts eine wichtige, wirtschaftlich stabilisierende Wirkung und eine historische Rolle in Gleichberechtigung, Demokratie und Ökonomie. Mit dem Thatcherismus wurden sie aber so massiv geschwächt, dass es ihnen nicht mehr möglich ist das im Kapitalismus notwendige Gegengewicht zur Ausbeutung zu sein. Verschärfte (Finanz-)Krisen sind nur eine der Folge.

 Eine weitere gute Nachricht:

Das globalisierte Finanz- und Geldsystem, das heute der Machtapparat der Milliardäre und viel zu Mächtigen ist, wird immer häufiger nicht mehr als sakrosankt geheiligt. Im Gegenteil, man sinnt auf Alternativen und Veränderungen! Auch hier gibt es Gruppierungen und Organisationen die sich damit befassen:

  • www.abs.ch Alternative Bank Schweiz. Seit 1990 praktisch am Ball – mit gesundem Wachstum
  • www.vollgeld.ch Aktuell brisant, die Schweiz könnte Pionierin werden
  • fair-coin.org entwickelt eine sinnvolle Variante des Computergelds
  • Demokratische Ökonomik – Die neue Initiative für die Ökonomik der Zukunft hat grundsätzliches Material zu diesem Thema. Das Material ist (noch) nicht öffentlich. Gedankensplitter: Vielleicht werden Geldsystem, Finanzsystem und ganzheitliche Qualitätspflege in nicht allzu ferner Zukunft zusammen gehören.
  • Die Gemeinwohl – Ökonomie Bewegung arbeitet in Österreich an der Gründung einer Gemeinwohl – Bank.
  • Eine Liste der LETS Tauschsysteme in der Schweiz gibt es hier.

Zürich, 4.3.-7.3.2018

Mit freundlichem Dank
– an Christoph Zollinger für seinen anregenden Artikel vom 14.12.2017 in journal21.ch
– an Hans P. Schlaepfer für Link und Feedback

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